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Der Koloss von Prora

Ehemaliges Kraft-durch-Freude-Seebad

Auf Rügen bewundern Architekturinteressierte nicht nur mittelalterliche Sakralbauten aus der Zeit der Backsteingotik. Die jüngere Geschichte hat für ein weiteres und imposantes Bauwerk gesorgt, welches die Inselbesucher etwa 80 Jahre nach Baubeginn bestaunen können. Die Rede ist von einem gigantischen Großprojekt der Nationalsozialisten, das durch Ausbruch des Zweiten Weltkrieges nie fertiggestellt werden konnte: das Seebad Prora.

Die Organisation Kraft durch Freude (KdF) setzte den Plan der NS-Sozialpolitik um, die unter anderem die Idee beinhaltete, dass sich jeder deutsche Bürger einen bezahlten, zweiwöchigen Urlaub leisten konnte, damit - so die Rechnung der Parteiführung - Zufriedenheit und Lebensstandard steigen. Geplant waren fünf Seebäder mit einer sagenhaften Kapazität von jeweils 20.000 Betten. Die Blaupause dieser megalomanen Nazi-Architektur befindet sich zwischen Jasmunder Bodden und Ostsee in der Nähe von Binz.

Prora als Ort voller Geschichte und Geschichten


Auf einer kaum vorstellbaren Länge von fast fünf Kilometern erstreckt sich der längliche Gebäudekomplex, der mit seinen enganliegenden Fenstern auf fünf Stockwerken und seiner sandfarbenen bis gräulichen Verputzung mehr einer Kaserne als einem Wohlfühlparadies für Urlauber gleicht. Hier sollten die Reisenden, 150 Meter vom Strand entfernt, in der Gemeinschaft ihren Jahresurlaub verbringen - mit Kegelbahnen, Leseräumen, Wellenbädern und einem Kino. Stattdessen wurden Teile des Gebäudekomplexes nach dem Krieg militärisch genutzt.

Immer wieder standen die heute denkmalgeschützten Gebäude leer und wurden, zerstört durch Witterung und Vandalismus, sich selbst überlassen. Seit 1993 ist das Gelände der Öffentlichkeit zugänglich. Nach jahrelanger Suche wurde im November 2011 der letzte leerstehende Gebäudetrakt an einen Investor verkauft. Schon zuvor hatte in Prora eine große Jugendherberge ihre Zelte aufgeschlagen. Außerdem öffnen auf dem Gelände mehrere Museen ihre Pforten. Was aber mit den restlichen Gebäudeteilen geschehen wird, ist noch völlig offen.